Elektra. Richard Strauss.

Oper.

Andrei Serban, Jannis Kokkos. Grand Théâtre de Genève.

Radio DRS-2, Reflexe, 6. November 1986.

 

 

1909, im glyche Jahr, wo d "Elektra" zur Uruffüehrig isch cho, het der Holländer Leo Hendrik Baekeland e Stoff erfunde, wo siderhär die ganzi Welt veränderet het: Ds Bakelit. Bakelit isch der Name vom erste Kunststoff. U mit der Erfindig vom Kunststoff isch en Yschnitt passiert, won üs hüt no macht z gnage. Well denn d Epoche vom ächte Material z Änd gangen isch, und will denn ds Plastikzytalter agfange het, mit Materialie, wo sich wie nes Gschwür überall dört verbreitet hei, wo's vorher Stoff, Holz, Stei, Metall gä het. Vo 1909 a sy d Marmortischli nümm us Marmor, sondern us Kunststoff. D Chacheli nümm us Lätt, sondern us Bakelit. Ds Holztäfer i der Chuchi us Plastik. Der Spannteppich: Kunststoff. Ds Brillegstell: Kunststoff. Ds wysse Hemmli: Kunststoff. Mir läbe in ere Welt, wo nume no us Imitatione besteit, us Imitatione vom ächte Material.

 

Usgrächnet im Jahr, wo der Leo Hendrik Baekeland syni Erfindig vom Bakelit gmacht het, usgrächnet 1909 hei der Richard Strauss u der Hugo von Hofmannsthal ihri "Elektra" usebracht. En Opere, wo wott ufruume mit de falsche Konventione, en Opere, wo mit em zivilisierte Griechebild vo Goethe und Winckelmann wott abfahre.

 

D Opere "Elektra" wott furt vor kopflastige Intellektkultur, u derfür füehrt si zrügg zu däm, wo zinnerst im Mönsch inne brodlet u chochet, zum Gfüehl, zur Lydeschaft, zu de Urtriebe vo Liebi u Hass. Es chunnt eim hüt vor, wie wenn Hofmannsthal u Strauss gspürt hätte, dass ds Zytalter vor Künstlichkeit abricht. Und d "Elektra" wär de nes Gägegwicht für z säge: ds Dumpf-Triebhafte, wo dihr aföht verdränge, ghört ou zum Mönsch, vergässet's nid.

 

A däm Punkt het d Inszenierig vom Andrei Serban im Genfer Grand Théâtre yghaket. Der Serban wott, dass mer d Elektra vom Gfüehl här begryfe, u dass ihre Ruusch zu üsem Ruusch wird. Derfür het är sich vom Bühnebildner Jannis Kokkosk e Szene la yrichte, wo über das usgeit, wo ds Libretto verlangt. Bim Hofmannsthal spielt die ganzi Tragödie ir e einzige Dekoration. Mir gseh d Mure vor Burg vo Mykene u ds riesige Tor, wo d Elektra dervorsteit wie ne Süle, wo tönt u chlagt. Z Genf aber bewegt sich ds Bild. Der Jannis Kokkos het nid die statischi Architektur vom ene Palast häregstellt, sondern e bewegti Architektur, d Architektur vor Seel. U hie verschwümme Ruum, Liecht u Bewegig inenand wie im ene Traumbild. Es Traumbild, wo zrüggwyst in en archaischi Vergangeheit, won üs aber glychzytig i dere Vergangeheit d Projektion vo üsne Zuekunftsängst laht la entdecke, will d Gschicht vor Elektra d Gwalt u ds Morde vom 20. Jh. vorwägnimmt wie ne prophetische Traum.

 

Dihr wüsst ja, dass ke Opere so nes grosses Orchester verlangt wie d "Elektra" vom Richard Strauss. Über 100 Musiker brucht's, u das Grossufgebot bringt mit sich, dass me normalerwys d Sänger über mänge Blätz gar nümm ghört. Z Genf aber isch ds Wunder passiert, dass me ke Silbe vo de Sänger verlore het, u dass me glychzytig ghört het, dass der Strauss nid nume e beruschende Klangbrei komponiert het, sondern so öppis wie ne grossi Symphonie für Orchester u mönschlichi Stimme. D "Elektra" z Genf,das isch d Negation vom Plastikzytalter. Es isch ds Urdrama, wo i üser Wält luuret für uszbräche us em Gfängnis us Kunststoff u Bakelit.

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