Watson, die entschlosssene Frau und Sherlock. © Rita Newman.

 
 

 

Sherlock Holmes: Der Fall Moriarty. Ken Ludwig.

Schauspiel.

Dominic Oley, Karl Fehringer, Judith Leikauf. Theater in der Josefstadt, Wien

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 15. Oktober 2026.

 

> Ein Unterhaltungsstück, keine grosse Sache. Aufgekratzt führen sechs Spieler (zwei Männer, zwei Frauen, zwei Statisten) die Sherlock-Klischees über die Bühne. Selbstverständlich wird die Handlung angestossen durch den bösen Professor Moriarty. Aber daneben entspinnt sich überraschenderweise noch eine Liebesgeschichte: Der Hagestolz Holmes erliegt einem weiblichen Wesen, das souverän seinen Mann stellt. <

 

Komplex und leicht verschwurbelt, mit einem Wort: echt britisch – wendet Ken Ludwig, ein amerikanischer Unterhaltungsschriftsteller, Sir Arthur Conan Doyles Stileigentümlichkeiten aufs komische Theater an.

 

Der Erzähler Doktor Watson, verkörpert durch Martin Niedermair (als Schauspieler gleich loyal wie die Figur), orientiert über Ort, Zeit und Umstände der Handlung.

 

Der Detektiv, eigentlich nicht mehr als ein Supercomputer, bekommt rosige Wangen durch das Element der Liebe, entflammt durch die sympathische Kimberly Rydell. Das Herz beginnt zu pochen, und Claudius von Stozmann bringt die Umwandlung des harten Single zum sorgenden und hoffenden Menschen mit jünglingshafter Zartheit zum Ausdruck. Eine schöne Rollenleistung.

 

Markus Kofler und Michaela Klamminger versehen die Auftritte der verschiedenen Episodenfiguren. Die Statisten Elena Weber und Felix Millauer vollziehen mit raschen Griffen die Umbauten im Bühnenbild von Karl Fehringer und Judith Leikauf.

 

Insgesamt schafft die handwerkliche Regie von Dominic Oley eine Szenenfolge, welche mit den Eigenschaften "bunt, wohlgelaunt, temporeich" umschrieben werden kann.

 

Aber ein Jahr nach der Premiere ist der Hall abhandengekommen. Auf der Bühne wirken die Kurzszenen gleich trocken wie die Akustik eines schalltoten Raums. Und noch ernüchternder: Die Präzision, mit der Technik und Spiel ineinandergreifen sollten, ist verlorengegangen.

 

Es stehen jetzt noch zwölf Vorstellungen auf dem Spielplan, die nächste in zwei Wochen. Das gäbe Zeit, dass jemand die Nähte kontrolliert. Doch das bringt viel Aufwand für einen billigen Stoff. "Sherlock Holmes" kommt schliesslich von H&M, nicht von Prada. Deshalb wird ein sparsamer Geschäftsmann das Ding lieber austragen und anschliessend durch ein neues Stück ersetzen.

Komplex und ... 

... leicht verschwurbelt: 

typisch britisch.