Nichts von Ruhekissen. Im Gegenteil. © Joel Schweizer.

 

 

Laissez durer la nuit. Händel, Vivaldi, Nazlîer, Delprat.

Echoes of Baroque.

Theater Orchester Biel Solothurn.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 27. März 2026.

 

Eine Materialsammlung. Böse Zungen würden sagen: Ein Durcheinander. Was nicht einmal falsch ist. Dem anderthalbstündigen Liederabend fehlt nämlich jede Ordnung und jede Kontextualisierung. Chronologisch ungebunden liefert er unter der Bezeichnung "Echoes of Barque" dem Programmzettel zufolge "Musik von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Eylül Nazlîer, Marie Delprat, Janiv Oron und anderen". Die Verbindung zwischen den diversen Epochen, Kulturen, Religionen, Musikstilen, Aussagen und Themen wird durch die unablässig wabernde Nebelmaschine geschaffen. Und durch den unablässigen Ernst, mit dem die fünf beteiligten Frauen zuwege gehen. Zu lachen gibt es nichts. Das Zeiten und Kulturen, Religionen und Regimes übergreifende Thema heisst Herz und Schmerz, Krieg und Tod. Die Vorstellung (Altersempfehlung 12+) schliesst mit der Botschaft: "Wenn wir Frauen auf- und zusammenstehen, dann kommt alles gut!" Zu diesem Manifest steht das Premierenpublikum in Biel auf und jubelt ... acht Wochen nach der blutigen Niederschlagung der zivilen Proteste im Iran, sechs Wochen nach der verschärften Knebelung der Frauen in Afghanistan, drei Wochen nach dem Ausbruch des Irankriegs. "O sancta simplicitas!" soll, der Sage nach, Johann Hus auf dem Scheiterhaufen gerufen haben: "O du heilige Einfalt!" Damit ist der Liederabend in Biel/Solothurn vollständig charakterisiert.

Die Frauen stehen ... 

... singen ...

... und halten zusammen.