Die Augen! © @corpusprod

 
 

 

Toute l'histoire de la peinture en moins de deux heures : le Bosch etc. Hector Obalk.

Stand-up-Vortrag.

Theatre libre, Paris.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 19. März 2026.

 

> Wie ein alter, frei sprechender Professor wandert Hector Obalk auf und ab. Sein vollbesetzter Lehrsaal befindet sich aber nicht in einer Universität, sondern in einem Theater. Und sein Publikum besteht nicht aus Studenten, sondern aus zahlenden Besuchern. Der Unterschied ist hörbar: Aufnahmebereite Stille, konzentriertes Mitdenken, freudiges Gelächter bei jedem überraschenden Witz. "Die ganze Geschichte der Malerei in weniger als zwei Stunden" ist ein Hit. Obwohl es keine ECTS-Punkte gibt, haben bis heute 190'000 Zuschauer die Lehrstunden besucht und sich zur Beschäftigung mit der grossen europäischen Malerei animieren lassen. Denn Hector Obalk bietet Kunstgeschichte vom feinsten. <

 

Der Ton ist familiär. Hector Obalk ist auf seinem Gebiet daheim. Darum erlaubt er sich auch Geständnisse. Zu einem Strauch auf Jan van Eycks Genter Altarbild sagt er: "Was das für Blüten sind, weiss ich nicht. Ich bin ein Stadtmensch." Zu einem surrealen Motiv in der "Hölle" von Hieronymus Bosch: "Was das soll, weiss ich nicht. Die Menschen verkriechen sich in der Muschel wie meine Katze unter dem Klavier." Und zum bleichen, hageren Gesicht: "Wenn die Kunstgeschichte nicht weiter weiss, behauptet sie, es handle sich um ein Selbstbildnis."

 

Wie die guten Architektur-Erklärer Martin Klopfenstein oder Peter Degen arbeitet auch Hector Obalk mit Vergleichen und Details: "Die Augen!" Bei Bosch, von dem er als Maler wenig hält, sind sie matt und ausdruckslos; das Gespenstische ergibt sich bloss dadurch, dass sie an eine ungewohnte Stelle versetzt wurden. Bei Matthias Grünewald, "dem wahren Meister", haben sie "ein dämonisches Glitzern".

 

Der Zyklus umfasst sechs Montagabende. Sie können einzeln besucht werden:

 

– der Rembrandt etc.: am anspruchsvollsten

– die Phantasie: am komischsten

– der Klassische: am gelehrtesten

– der Moderne: am erhellendsten

– der Bosch etc.: am lustigsten

– der Jesus: am bewegendsten

 

Hector Obalks Sehschule arbeitet mit einer straffen Kette von Aha-Effekten. Durch Kontrastieren, Kommentieren, Zoomen bildet sich Spannung, und im Publikum entsteht Erkenntnishunger: Mehr! Mehr! Am Ende des Vortrags bleiben die Leute auf dem Trottoir stehen und sprechen angeregt über das Vernommene weiter. An der Universität würde jeder für sich das Handy zücken und die News checken. Daran zeigt sich der Unterschied zwischen Theater und Schule ... und den Generationen.

Vom Grossen ... 

... übers einzelne ... 

... ins Detail.